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Die meisten kennen das: der Sommer geht langsam zu Ende, die Tage werden kürzer und kälter. Es kommt die Zeit, in der man den Grill nicht mehr jeden Tag anwirft, um eine leckere Wurst zu grillen und dabei noch ein kühles Bier genießen zu können. Der Herbst und die Winterzeit haben aber auch ihre Vorteile: Die Temperaturen sind nun ideal um ein paar Leckereien kalt zu räuchern.

Für meine ersten Kalträucherversuche mussten ein paar Stücke Gouda herhalten. Hier hatte ich noch einen kleinen 35€ Watersmoker zu Hause und habe mich mit einem Sparbrand aus Eierkarton versucht. Was soll ich sagen? Es lief nicht so gut wie erhofft: zuviel Rauch für einen zu kleinen Raum, dazu eine zu hohe Temperatur… Also musste eine andere Lösung her.

Ein altes 200 Liter Fass war schnell aufgetrieben und auch die anderen Teile kurzfristig besorgt. So begann der Bau eines günstigen UDS (Ugly Drum Smoker). Wie man so einen UDS baut, könnt ihr bei unserem Buddy-Kumpel „Onkel-Kethe“ nachlesen. Da ich die Sparbrandversion mit dem Eierkarton nicht so ideal fand, ich mir am Anfang aber auch keinen „teuren“ Sparbrand aus Edelstahl im Internet kaufen wollte, habe ich mir fix selbst einen gebaut. Zum Ausprobieren reichte das vollkommen.

Hierzu kauft man einfach im Baumarkt um die Ecke ein feinmaschiges Lochblech aus Edelstahl. Dies kostet nur wenige Euro und ist mit einer Drahtschere schnell zurechtgeschnitten. Mit einem Edding malt man sich nun ein gedachtes „U“ auf das Lochblech. Man sollte beachten, dass man zu den Seiten hin auch Lochblech benötigt welches später einfach nach oben geknickt wird (siehe auch das skizzierte Bild). Beim Zurechtschneiden solltet ihr Handschuhe tragen, da die Kanten nach dem Schneiden doch sehr scharf sind. Los ging der zweite Versuch Gouda kalt zu räuchern. Der Sparbrand wird mit einer Ladung feinem Buchenmehl gefüllt, an einer Ecke angezündet und unten in den UDS gestellt, Deckel drauf und die Lüftung ganz offen. So lässt man den Sparbrand über Nacht vor sich her klimmen und am nächsten Tag holt man den Käse raus.

Das funktioniert relativ gut und so habe ich einige Käse, Würstchen und Schinken geräuchert. Was mich hierbei jedoch störte, war das Aufhängen des Räucherguts unter dem Rost und auch die Kondenswasserbildung an den kalten Teilen des UDS. Da ich Gefallen am Räuchern gefunden habe und immer mehr ausprobieren wollte, habe ich mich dazu entschieden einen Räucherschrank aus Holz selbst zu bauen. Ein Holzräucherschrank bietet so einige Vorteile gegenüber einem UDS oder Räucherschrank aus Stahl bzw. Metall: Zum einen ist die Kondenswasserbildung deutlich geringer bzw. überhaupt nicht vorhanden. Des Weiteren ist ein Räucherschrank aus Holz deutlich besser isoliert und man kommt auch bei relativ kalten Temperaturen auf die ideale Räuchertemperatur von 15 °C bis 18 °C. Hier passte es gut, dass ich gerade dabei war meine Außenküche zu bauen und ich noch einige Holzreste zu Verfügung hatte. Also das zu Verfügung stehende Holz gemessen und danach die möglichen Außen- und Innenmaße vom Schrank berechnet. Für eine ausreichend große Isolation habe ich eine dünnere Außenwand (1,5 cm), Luftisolierung und eine dickere Innenwand (2,8 cm) gewählt. Wichtig ist, dass das für den Innenraum verwendete Holz unbehandelt ist. Die äußeren Teile können ruhig lackiert oder gestrichen sein.

Folgende Maße habe ich für den Schrank gewählt:
Außenmaße: 70 x 70 cm
Innenmaße: 50 x 50 cm
Wandstärke (luftisoliert): 10 cm
Höhe Räucherkammer: 115 cm
Gesamthöhe mit Dach: 205 cm

Ich hab ihn extra etwas höher gebaut um auf drei Ebenen räuchern zu können. So bekommt man eine große Menge Schinken oder Würstchen gleichzeitig in den Schrank. Das Schöne an Holz ist, dass man relativ einfach die gewünschte Höhe der Räucherebenen wählen kann. Einfach auf der entsprechenden Höhe Leisten ins Holz geschraubt und fertig. Die Schinken werden dann mithilfe von Räucherhaken an 1 cm dicken Rundholzstangen gehängt.

Der Schornstein besteht aus einem einfachen Kunststoffrohr mit 10 cm Durchmesser. Für den Regenschutz habe ich ein kleines Dach gebaut und mit Resten einer dicken Dachpappe abgedichtet. Die Tür ist zweigeteilt um bei Bedarf nur die Klappe zum Sparbrand zu öffnen. Hier habe ich auch Löcher für die nötige Belüftung gebohrt.

Ein angezündeter Sparbrand kann sehr heiß werden. Daher habe ich den Boden mit Fliesen ausgelegt und mit einer Platte von der Räucherkammer abgetrennt. In die Platte habe ich noch einige größere Löcher gebohrt. So kann der Rauch gut in die Räucherkammer strömen.

Um auch bei starken Minustemperaturen räuchern zu können, aber auch um bei Dunkelheit etwas Licht im Schrank zu haben, habe ich noch eine Lampe eingebaut. Je nachdem wie gut der Schrank isoliert ist, reicht eine 40 oder 60 Watt Birne aus um die Temperatur über Nacht bei 15 °C zu halten. Aufgrund der scharfen Kanten des Sparbrandes und der doch recht „unstabilen“ Form, habe ich ein paar Euro in die Hand genommen und mir einen Sparbrand bei Amazon gekauft. Hier gibt es die unterschiedlichsten Formen und Größen. Da könnt ihr kaufen was euch besser gefällt. Der Sparbrand sollte zumindest für eine Dauer von 8 Stunden ausgelegt sein. Da der Schrank durch die doch massive Bauweise relativ schwer geworden ist und man ihn nur zu zweit tragen kann, habe ich mir günstige Rollen mit Bremsen gekauft.

Alles zusammen würde ich die Kosten für den Schrank auf ca. 100 EUR schätzen. Hierbei kommt es echt auch darauf an, welches Holz verwendet wird und ob Dinge wie Türscharniere, Schrauben, Dachpappe etc. schon vorhanden sind. Dafür habt ihr aber auch einen nach euren Wünschen gestalteten Räucherschrank, der euch sicher einige Jahre gute Dienste erweisen wird.

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